Sonntag, 17. Januar 2016

[Gedanken] Baustelle - ein Sinnbild für Wandel und Veränderungen?


Wenn man durch Karlsruhe läuft, dann entdeckt man hin und wieder ein Phänomen, ich nenne es gerne "Baustellen-Tourismus". An jedem Bauzaun hängen Männer und Frauen und versuchen durch die kleinste Lücke hindurch einen Blick auf das Werden der U-Bahn zu erhaschen.
Aber warum ist das so? Was fasziniert uns so sehr an einem Haufen Schutt?

Mich selbst fasziniert es zu sehen, das etwas passiert. Etwas geht voran, etwas entsteht. Vorher waren dort Boden und Kopfsteinpflaster, jetzt klaffen bis zu 15 Meter tiefe Krater und überall sieht man Betonwände in den Boden ragen. Riesige Maschinen reißen Löcher in den Boden, zerstören, bevor etwas neues (besseres) entstehen kann.

Die Ungewissheit, ob auch wirklich alles gut geht, Zeitpläne eingehalten werden, alle Gebäude stehen bleiben, die begleitet uns dauerhaft. Sie wird erst dann beruhigt sein, wenn alles fertig ist - in ein paar Jahren. Bis dahin wird es weiter Kritikerstimmen geben. Negative Schwingungen sind an der Tagesordnung.

Die am Zaun stehenden Beobachter sind aber interessiert. Häufig fasziniert und oft positiv eingestellt auf das was da kommen mag. Sie vertrauen darauf, das alles gut gehen wird und freuen sich auf das Ergebnis.

Baustelle - ein Sinnbild für Wandel und Veränderungen.


Als ich letztens spazieren war, kam ich an einer kaufmännischen Schule in unserer Nähe vorbei. Auch sie war in Bauzäune gehüllt, es gibt dort wohl momentan einen Umbruch. Die Bauzäune wurde von Bildern der SchülerInnen "geschmückt" - das Thema konnte passender nicht sein. 



Ein Thema, das hier in unserem Land wahrlich einer Baustelle entspricht. 



Ein Thema, das nie stillsteht und dauernd Veränderungen mit sich bringt.



Ein Thema, das alte Muster wieder mit sich bringt - leider zu oft die negativen.



Ein Thema, das in keiner Schule stillschweigend angenommen werden darf.



Ein Thema, das uns alle angeht.



Ein Thema, für welches schon immer nach Erklärungen und Lösungen gesucht wird.




Ein Thema, an dem wir immer weiter arbeiten müssen.




Ein Thema, das in unserem Schulalltag so allgegenwärtig sein muss dass die Hoffnung besteht, die kommende Generation könnte es vielleicht richten.



Ein Thema, das eigentlich so bunt ist, aber meist so schwarzweiß gelebt wird.



Ein Thema, für das wir öfter unsere Augen und Herzen öffnen sollten.



"Die Kinder Adams sind aus einem Stoff gemacht, als Glieder eines Leibes von Gott, dem Herrn, erdacht.


Sobald ein Leid geschieht nur einem dieser Glieder, dann klingt sein Schmerz sogleich in ihnen allen wider .



Ein Mensch, den nicht die Not der Menschenbrüder rührt, verdient nicht, dass er noch des Menschen Namen führt."
(aus: Der Golestān (persisch ‏گلستان‎ "Der Rosengarten"), geschrieben 1259)

Zu sehen wie an dieser Schule mit dem Thema umgegangen wird (siehe auch auf der Homepage, Link) beruhigt mich ein wenig.

Ich bin gespannt, wie die Fortschritte an der Baustelle "Rassismus und Flüchtlinge" die nächsten Jahre vorangehen werden. Hier hilft es nicht, nur fasziniert und skeptisch zugleich durch den Bauzaun zu schauen wie beim Bau der U-Bahn. Hier muss jeder Mensch mit den Mitteln die er/sie hat mit anpacken.

Ich reihe mich damit beim Samstagsplausch ein.



Und bei jeder Shoppingtour dran denken:



Kommentare:

  1. Solche arbeiten an den Schulen kann man nur befürworten. Schade, dass es dann aber immer die Schulen sind, die gar keine Probleme haben. Aber eben gut, dass sie mit gutem Beispiel vorangehen.
    Hinschauen, sollten sehr viel mehr Menschen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Eine so plakative Stelle zu nutzen um die Arbeit einer Schule mal zu veranschaulichen kann man nur begrüßen - Glückwunsch an die Schüler und Lehrer! LG Ingrid

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  3. Wow! Ich bin begeistert! Schön, dass es solche Initiativen gibt und den Schülern gelehrt wird, jeden so wie er ist zu akzeptieren. Das beruhigt mich zu sehen und ich hoffe, dass meine Kleinen einen Platz in einer Schule finden, die diese Einstellung ebenfalls vertritt und weiter gibt.

    Lieben Gruß,
    Susanna

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